Tobias Frehner

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Tobias Frehner

Gegen den Mainstream

Ich bin in einer Pfingstgemeinde aufgewachsen, da hat die akademische Theologie keinen guten Ruf. Nach dem Gymi war für mich deshalb klar: Ich studiere alles, nur nicht Theologie. Allerdings wollte ich schon früh alles immer ganz genau wissen. Ich fragte mich zum Beispiel, wie das mit der Verbalinspiration genau funktioniert haben soll: Wie soll der Heilige Geist den ganzen Bibeltext diktiert haben?

So kam es, wie es kommen musste: Nach einem Semester Soziologie wechselte ich zur Theologie. Zunächst studierte ich am IGW, das eine eher evangelikale Theologie lehrt. Dort störte mich irgendwann, dass gewisse Grundannahmen nicht diskutiert wurden. Zum Beispiel die Existenz Gottes: Wir lasen keinen einzigen Gottesbeweis.

Nach zwei Jahren wechselte ich an die Theologische Fakultät Bern. Ich studiere hier wahnsinnig gern, die Vielfalt des Theologiestudiums begeistert mich. Das Studium hat mich aber auch durchgeschüttelt. Ich habe massive Verunsicherungen durchlitten und durchleide sie weiterhin: Dieses Studium betrifft dich existenziell. Im Augenblick setzt sich mein Glauben gerade neu zusammen, und zwar eher evangelikal. Unter den Studis bin ich damit ein Exot. Am IGW störte mich der evangelikale Mainstream, hier stört mich der liberale Mainstream. Auch in der liberalen Theologie bleiben Dinge unhinterfragt!

Ich weiss nicht, ob ich in einer Landeskirche arbeiten will. Die dogmatische Beliebigkeit macht mir Mühe. Ich finde es schwierig, wenn sich eine Kirche über gegenseitige Toleranz definiert statt über Jesus Christus. Aber es tut sich ja auch etwas in den Landeskirchen. Neue, missionale Gemeindeformen werden möglich. So könnte das dann doch noch etwas werden für mich.