Sarah Schumacher

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Sarah Schumacher

Mehr lebenslustiges Afrika

Ich stamme aus einer typisch landeskirchlichen Familie: Wir gehörten der Kirche an und hatten wenig mit ihr zu tun. Von klein auf zogen mich allerdings Kirchengebäude magisch an. Mit neun Jahren spielte ich zum ersten Mal auf einer Kirchenorgel. Als dann einige Jahre später mein Grossvater starb, schrieb ich einen Text und las ihn an der Beerdigung vor. Die Pfarrerin sagte nach dem Gottesdienst: Du musst Theologie studieren. Ich sah das anders. Ich wollte Schauspielerin werden. Heilpädagogin war eine andere Option.

Als ich dann nach der Matura allein durch Südamerika reiste, veränderte sich mein Glaube. Ich betete darum, einen Platz zum Schlafen zu finden, wenn die Busfahrt länger dauerte und ich mitten in der Nacht im Nirgendwo ankam. Bewusst suchte ich die Einsamkeit in der atemberaubenden Natur. Und ich spürte: da ist mehr. Das Geheimnis des Lebens fasziniert mich. Manche mögen sagen, dass das alles kein richtiger Glaube sei. Mich motivierte es, es mit der Theologie zumindest zu versuchen.

An der Fakultät hat es mich am Anfang enorm gestresst, dass ich weniger fromm war als die anderen und ich nur über geringe Bibelkenntnisse verfügte. Mittlerweile bin ich selbstbewusster. Manchmal bin ich sogar im Vorteil, weil ich keine starren Dogmen habe, an denen ich krampfhaft festhalten muss.

Nach sechs Semestern kann ich mir gut vorstellen, Pfarrerin zu werden. Nicht überall. Ich wünsche mir eine offene, liberale Gemeinde, die sich mit mir zusammen auf die Suche begibt. In meiner ersten Predigt plädierte ich kürzlich für mehr lebenslustiges Afrika in unserer unterkühlten Schweiz. Das behagt nicht allen Menschen. Aber ich finde, dass eine Predigt auch aufrütteln muss, tief in die Wunde stechen, wie Luther sagte, um die Menschen dann aufzurichten.