Manuel Amstutz

Manuel Amstutz

Manuel Amstutz

Manuel Amstutz

Der nervige Glaube

Eigentlich wollte ich Jus oder Wirtschaft studieren. Doch dann kam mir der Glaube in die Quere. Nicht, dass ich Jesus gesehen hätte. Es war eher eine langsame, nervige Entwicklung. Mein erstes Gebet lautete etwa so: „Lass mich in Ruhe“. Glaube passte nicht in meine Lebensplanung.

Im ersten Semester studierte ich Jus, Wirtschaft und Theologie zusammen. Im zweiten Semester wusste ich: Theologie ist es! Sie gab mir die Möglichkeit, dem Glauben nachzugehen, der mich nicht los liess. Hier lernte ich die Gedanken und Schriften jener kennen, die vor mir über Gott und Glauben nachgedacht haben. Sie liefern kein Universalmittel. Aber ich lernte, mit ihren Worten umzugehen und sie auf meine persönliche Situation, meinen individuellen Glauben anzuwenden.

Neben dem Studium engagiere ich mich in der Politik. Aus der Theologie lässt sich zwar kein politisches Programm ableiten. Jesus hat nicht gesagt: Die SVP ist blöd. Aber ich überlege, welches Menschenbild meine Theologie mit sich bringt. Zentral ist die Nächstenliebe. Egal, wie daneben sich jemand benimmt. Egal, wie schlecht es jemandem geht: Nächstenliebe heisst, dass mich das betrifft und fordert. Man kann nicht alles delegieren. So mache ich Politik.

Das Studium hat mich verändert. Am Anfang sah ich in der Theologie vor allem eine intellektuelle Disziplin. Mittlerweile sehe ich, dass Theologie ohne Kirche nichts ist. Für diese Kirche möchte ich mich einsetzen. Allerdings muss es eine theologische Kirche sein, die auf Gottes Wort hört und nicht bloss versucht, sich als Institution selbst zu erhalten. Die Kirche darf nicht ihre eigene barmherzige Samariterin sein, sondern die der anderen.