Delphine Conzelmann

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Ungetauft zur Theologie

Als ich mit dem Theologiestudium begann, gehörte ich keiner Kirche an. Ja, ich war nicht einmal getauft. Meine Eltern hatten nichts gegen das Christentum, aber es war ihnen wichtig, dass ich mich später einmal bewusst für oder gegen eine Glaubensrichtung entscheiden kann.

Auf Theologie bin ich gekommen, weil ich dort am meisten von meinen Interessen wiederfand. Mir gefielen am Gymnasium die Fächer Geschichte, Latein, Griechisch und Philosophie am besten. Am Studieninfotag informierte ich mich dann über Theologie und war überrascht, wie breit dieses Studium ist. Die nächste Überraschung folgte zum Studienbeginn: Statt mich bekehren zu wollen, haben mich an der Fakultät alle mit offenen Armen aufgenommen.

Pfarrerin werden will ich nicht. Nicht sofort jedenfalls. Wenn ich das Studium jetzt durchziehe, dann bin ich 22 Jahre, wenn ich den Master habe. Wie soll denn eine 22-Jährige von der Kanzel herab Lebensweisheiten verkünden können?

In den Semesterferien absolviere ich meistens ein Praktikum, das nicht direkt mit Theologie zu tun hat. Ich habe selbst gestaunt, wie leicht ich an Praktikumsplätze komme. „Theologiestudentin“ wirkt überhaupt nicht abschreckend, im Gegenteil: Sie gehen davon aus, dass man Textkompetenzen und ein grosses Allgemeinwissen mitbringt. Meine berufliche Zukunft sehe ich noch nicht konkret. Vielleicht im Journalismus oder in einer NGO? Pfarrerin kann ich immer noch im Zweitberuf werden.

Mittlerweile bin ich getauft. Ich habe durch das Theologiestudium gemerkt, dass mir die christliche Tradition eine Sprache zur Verfügung stellt, in der ich meine Spiritualität gut ausdrücken kann. Eigentlich hätte ich ja für die Taufe einen Glaubenskurs besuchen müssen. Aber der Pfarrer fand, wenn ich schon Theologie studiere, dann ginge das auch ohne.