Pfarrberuf

Müssten wir einen Werbespot für den Pfarrberuf machen, so wäre seine Aussage vermutlich die: Das Pfarrersein ist der schönste Beruf, weil er eine unglaubliche Nähe zu Menschen in höchst bewegenden Momenten erlaubt. Und weil man als Pfarrperson immer wieder Momente wunderbaren Vertrauens erfährt, das man ohne diesen Beruf so nicht erleben könnte.

Das stimmt beides, allerdings besteht der Pfarrberuf nicht nur aus solchen Höhepunkten. Etwas prosaischer kann er an Anhand der vier wichtigsten klassischen Aufgabenfelder des Pfarramts beschrieben werden:

Handlungsfelder

Verkündigung und Gottesdienst

Die Pfarrerin und der Pfarrer legen das Evangelium für die heutige Zeit aus. Der Gottesdienst ist der Mittelpunkt dieser Verkündigung. In der Predigt deutet die Pfarrperson heutiges Leben im Licht des Evangeliums.

Mit dieser Verkündigung stärken Pfarrerinnen und Pfarrer die Erinnerung an Jesus Christus und die Erwartung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Sie ermutigen zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Ehrfurcht vor dem Leben. Sie trösten mit ihren Worten und sie segnen. Gleichzeitig sind sie prophetisch und stellen sich auf Seiten der Schutzbedürftigen und Verletzlichen.

Der Gottesdienst kann ein Vielfalt von Formen annehmen. Manchmal steht eine entscheidende Lebensstation im Zentrum: Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Beerdigung. Manchmal steht eine bestimmte Zielgruppe im Zentrum. So im Krabbelgottesdienst, im Jugendgottesdienst oder in einer musikalischen Meditation.

Diakonie und Seelsorge

Die Pfarrerin und der Pfarrer sind auf Grund ihres Kontaktnetzes Schlüsselfiguren der Seelsorge in der Gemeinde. Sie begleiten Menschen an biographischen Schwellen und in Krisen. Dazu müssen sie sorgfältig mit dem Vertrauen umgehen, das ihnen entgegengebracht wird. Manchmal helfen sie jemandem ganz handfest weiter, zum Beispiel mit einer Mahlzeit oder einer guten Adresse. Manchmal schaffen sie Situationen, in denen sich Menschen für die Kraft des Heiligen Geists öffnen. In jedem Fall vermitteln sie Menschen Unterstützung und Trost, Anstoss und Befreiung.

Unterricht und Bildung

Die Pfarrerin und der Pfarrer unterstützen junge Menschen dabei, einen reifen Glauben zu entwickeln. Dazu beteiligen sie sich an verschiedenen Unterrichtsgefässen, vom Schul- bis zum Konfirmationsunterricht.

Pfarrpersonen geben allen Altersgruppen und sozialen Milieus glaubwürdig und verständlich Auskunft in Dingen der christlichen Tradition und ihrer Bedeutung in der heutigen Zeit. Damit fördern sie Menschen darin, eine eigene religiöse Identität zu finden und zu entwickeln. Solche Bildungsarbeit kann an einer Erwachsenenbildungsveranstaltung passieren, auf einer Gemeindereise oder bei einem zufälligen Gespräch.

Gemeindeentwicklung und Leitung

Kirchgemeinden sind keine statischen Gebilde, sie entwickeln sich. Das gilt für die Administration, für gottesdienstliche Angebote, für den Unterricht und für vieles mehr. Die Pfarrerin und der Pfarrer sind in diesen Prozessen keine mit Vollmachten ausgestatteten Manager, aber sie übernehmen Verantwortung. Sie sind bestrebt, die Veränderungsprozesse so zu gestalten, dass sie sich den Bedürfnissen einer hochindividualisierten Gesellschaft gut anpassen, zugleich aber am Grundauftrag der Verkündigung des Evangeliums orientiert bleiben.

Die Beschreibung des Pfarrberufs anhand dieser vier Aufgabenfelder wird in letzter Zeit vermehrt in Frage gestellt. Die Kirche hat in unserer Gesellschaft an Selbstverständlichkeit eingebüsst, und mit ihr der Pfarrberuf. Es ist damit je länger je weniger klar, welche Aufgaben eine Pfarrperson in der kirchlichen – und der nicht-kirchlichen – Gemeinschaft wahrnehmen soll. Soll sie sich aufs Kerngeschäft zurückziehen und möglichst eindrücklich und mitreissend predigen? Oder soll sie zu den Menschen gehen und erst einmal zuhören, welche Nöte und Bedürfnisse Menschen heute umtreiben, um mit diesen Menschen neue Aufgabengebiete zu erkunden, eine neue Sprache zu finden?

 Hinzu kommt, dass in vielen Kirchen ein Trend zur Spezialisierung festzustellen ist. Spezialisierung meint dann meistens, dass eines der vier Aufgabengebiete in den Vordergrund rückt (Seelsorge z.B.) oder eine bestimmte Zielgruppe in den Fokus gerät (Jugendpfarrer z.B.).

Die vier Handlungsfelder sind also nicht in Stein gemeisselt. Eine grobe Orientierung über die Aufgaben, die einen im Pfarramt erwarten, können sie dennoch geben.

Eine ausführliche Darstellung der Ausbildung zur Pfarrerin und zum Pfarrer bietet die Webseite www.bildungkirche.ch.