FAQ Studium

Hier beantworten wir einige der häufig gestellten Fragen zum Theologiestudium. Wenn eine Frage fehlt, sind wir für Hinweise dankbar.

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Was ist Theologie?

Theologie (Griechisch: θεολογία – theología) ist wörtlich übersetzt die Rede von Gott. Nun gibt es die Rede von Gott aber nicht: Wer von Gott redet, bewegt sich immer in einer bestimmten Tradition dieses Redens. Deshalb gibt es islamische Theologie, antik-griechische Theologie, altkirchliche Theologie und so weiter.

In der griechischen Antike zum Beispiel bezeichnete Theologie das Singen und Erzählen (gr. „mythein“) von Göttergeschichten. Die altkirchlichen christlichen Autoren verwendeten den Begriff dann gegen die griechischen Göttermythen, im Sinn eines spezifisch christlichen Verständnisses von Gott. Heute überlegen sich Theologinnen und Theologen, ob wir uns einem nachkonfessionellen Zeitalter nähern, in dem nicht Differenz, sondern Übereinstimmung die treibende Kraft bildet. – Einen guten und knappen Überblick über diese Geschichte der Theologie bietet der Wikipedia-Artikel Theologie.

Auf diesen Seiten geht um evangelische Theologie in reformierter Tradition.

Was ist evangelische Theologie?

Diese Ausprägung der Theologie geht auf die Reformationszeit im 16. Jahrhundert zurück.  Theologen wie Zwingli in Zürich, Luther in Deutschland und Calvin in Genf sagten sich damals vom Papst los. Sie vertrauten darauf, dass der einzelne Mensch selbst imstande ist, die Bibel richtig auszulegen. Dazu war er zwar auf die Hilfe des heiligen Geistes, aber nicht auf die Hilfe eines Priesters angewiesen. Mit dieser Unmittelbarkeit von Gläubigem und Gottes Wort revolutionierten die Reformatoren nicht nur die Theologie, sondern auch die Kirche.

Ganz allgemein trieben die Reformatoren Theologie wieder stärker als praktische Wissenschaft, nachdem sie im Spätmittelalter immer mehr zur spekulativen Wissenschaft geworden war. Bei Luther zum Beispiel ist Theologie praktisch in dem Sinne, dass sie ganz auf die Zueignung des Heils durch Gott, also den praktischen Vollzug des Glaubenslebens bezogen war.

Seit der Aufklärung wird evangelische Theologie in der Regel als Wissenschaft betrieben, die dem Glauben bzw. der Religion gegenüber nachgelagert ist. Theologie versucht also nicht mehr, einen spezifischen Glauben aus allgemeinen, absolut gültigen Prinzipien abzuleiten. Der Glaube ist vielmehr etwas Vorfindliches; die Theologie versucht dann, die innere Logik dessen zu verstehen und plausibel zu machen, was uns – zum Beispiel – im evangelischen Glauben begegnet. In diesem Zugang gründet die Wissenschaftlichkeit der Theologie und damit ihr Platz an staatlichen Universitäten.

Wer kann evangelische Theologie studieren?

Wer an eine schweizerische Hochschule zugelassen ist, kann Theologie studieren. Das Studium erfordert keine besonderen Voraussetzungen bezüglich religiöser Haltung und Glaubenspraxis.

Wer keine Matura hat, kann diese nachholen und so die Zulassung zum Theologiestudium erhalten. Die Universität Bern bietet Personen ab dem 30. Altersjahr zudem die Möglichkeit, unter bestimmten Umständen ohne Matura zu einem Studiengang zugelassen zu werden (Aufnahmeverfahren 30+).

Wo kann ich evangelische Theologie studieren?

In der Deutschschweiz bieten die Universitäten Zürich, Bern und Basel ein Studium in evangelischer (reformierter) Theologie an. Hier finden Sie die Porträts der drei Theologischen Fakultäten.

Alle Fakultäten bieten die Möglichkeit, einige Semester im Ausland zu studieren, sei dies nun in Deutschland, Hongkong oder Israel. Als Beispiel hier die Möglichkeiten für Zürcher Studierende.

 

Was sind die Inhalte eines Theologiestudiums?

Theologie ist ein sehr vielfältiges Studium. Inhaltlich machen die klassischen Fächer der Theologie den grössten Teil des Studienplans aus: Altes und Neues Testament (historisch-kritisch analysiert), Kirchen­- und Theologiegeschichte, Systematische Theologie (Dogmatik, Philosophie und Ethik) sowie Praktische Theologie (Seelsorge, Gottesdienst, Religionspädagogik usw.). In diesen Fächern sind die allermeisten ECTS-Punkte zu erwerben. Hinzu kommen religionswissenschaftliche Veranstaltungen. Hier finden Sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Fächern.

Jede Fakultät erweitert diesen Kanon zudem mit eigenen Spezialdisziplinen – ein Blick auf ihre Porträts lohnt sich.

Was unterscheidet Theologie von Religionswissenschaften?

Theologie unterscheidet sich in zwei Punkten stark von Religionswissenschaften.

  • Erstens hat Theologie einen klaren Fokus auf der jüdisch-christlichen Glaubenstradition.
  • Zweitens will Theologie diese Glaubensphänomene nicht nur beschreiben, sondern versucht auch, sie in ihrem Wahrheitsanspruch zur Geltung zu bringen. Historische, soziologische und psychologische Methoden spielen daher durchaus eine Rolle in der Theologie. Aber sie sind ergänzt um systematische Methoden, die die innere Logik und den Deutungsanspruch des christlichen Glaubens beschreiben und plausibel machen.

Kann ich Theologie mit anderen Fächern kombinieren?

Die Kombinationsmöglichkeiten unterscheiden sich von Fakultät zu Fakultät. In Zürich zum Beispiel haben Sie sehr viele Kombinationsmöglichkeiten. Beachten Sie aber: Wenn Sie sich den Weg ins Pfarramt offenhalten wollen, müssen Sie Theologie als Vollstudium, das heisst als Monofach ohne Nebenfächer belegen.

Welche Berufsaussichten eröffnet mir ein Theologiestudium?

Hier erhalten Sie eine Übersicht über die Berufsfelder, die sich mit einem Theologiestudium eröffnen.

Wie hängen Theologische Fakultäten und die reformierten Kirchen zusammen?

Die Theologischen Fakultäten in Basel, Bern und Zürich sind Teil der jeweiligen Universitäten, so wie es die Medizinische oder die Philosophische Fakultät auch sind. Weder in der Lehre noch in der Forschung sind sie kirchlichen Instanzen Rechenschaft schuldig. Damit sind sie gegenüber den Kirchen autonom.

Allerdings haben Kirchen und Theologische Fakultäten eine lange gemeinsame Tradition in der Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern. Die Theologischen Fakultäten bürgen für die Qualität des akademischen Teils dieser Ausbildung (im Gegensatz zum praktischen Teil der Ausbildung, den die Kirchen in eigener Regie durchführen).

Theologische Fakultäten und reformierte Kirchen hängen also eng zusammen. Gleichzeitig behält Theologie als akademische Wissenschaft ihre Autonomie. Daher kann man Theologie genauso als Selbstzweck studieren wie Philosophie oder Religionswissenschaften.

Facts & Figures

Theologie ist rückblickend für fast alle die richtige Studienwahl: 90 Prozent würden es wieder machen! Das zeigt das folgende Zitat aus einer Studie des Schweizerischen Dienstleistungszentrums für Berufsbildung:

„Insgesamt gesehen geben die Theolog/innen und Religionswissenschaftler/innen genauso häufig wie die Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH [Universitärer Hochschulen] an, dass sie – stünden sie noch einmal vor dieser Entscheidung – im Rückblick wieder dasselbe Studium am gleichen Stu­dienort wählen würden. Allerdings gibt es Unterschiede – je nach studierter Teildisziplin. Von den protestantischen Theolog/innen würden 90 Prozent wieder das gleiche Studium wählen, von den katholischen Theolog/innen 73 Prozent und von denen, die Religions­wissenschaften studiert haben, nur gerade 52 Prozent.“

(Die erste Stelle nach dem Studium: Theologie und Religionswissenschaft, SDBB, Bern 2013; es handelt sich um Zahlen, die 2011 beim Abschlussjahrgang von 2010 erhoben wurden)

Facts und Figures zu den Berufsaussichten

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