FAQ Pfarrberuf

Pfarrberuf

Ausbildung

Für den Pfarrberuf gibt es zwei zentrale Voraussetzungen: Die akademische und die praktische Ausbildung.

Die akademische Ausbildung: Wer Pfarrerin oder Pfarrer in einer reformierten Kantonalkirche werden will, studiert in der Regel Theologie als Vollstudium (das heisst ohne Nebenfächer) an einer der Theologischen Fakultäten Basel, Bern oder Zürich. Das Vollstudium Theologie wird in den Studienordnungen mit einer Dauer von fünf Jahren veranschlagt. Wer zuerst noch eine oder mehrere alte Sprachen (Latein, Griechisch, Hebräisch) nachholen muss, sollte allerdings mehr Zeit einkalkulieren (eher sechs Jahre). Zusätzlich zum Studium sind kirchliche Praktika zu belegen.

Die praktische Ausbildung: Auf das akademische Studium folgt die praktische Ausbildung, Vikariat genannt. Das Vikariat ist ein Praxisjahr in einer Kirchgemeinde, angeleitet von einem Ausbildungspfarrer oder einer Ausbildungspfarrerin, mit begleitenden Blockkurs-Veranstaltungen.

Wer das Vikariat erfolgreich absolviert, wird in seiner Kantonalkirche ordiniert und hat somit die Wahlfähigkeit als Pfarrer/in erlangt.

Berufung

Braucht es eine Berufung für das Pfarramt?

Ja und nein.

Nein: Nicht jeder Pfarrer hat einen göttlichen Ruf verspürt, der ihm sagte, er sei für den Pfarrberuf vorgesehen, und daraufhin ein Theologiestudium in Angriff genommen. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer haben sich erst im Laufe des Studiums mit der Vorstellung angefreundet, später in der Kirche tätig zu sein. Sie sahen, dass die Kirche ihnen herausfordernde, befriedigende Betätigungsfelder bieten würde. Ein göttlicher Ruf war nicht im Spiel.

Und ja, es braucht eine Berufung. Der Pfarrberuf ist intensiv, und auf Dauer übt man ihn nur dann gut aus, wenn man ihn gern macht. Dazu gehört das Gefühl, am richtigen Ort zu sein und eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. In diesem Sinn ist die Berufung unabdingbar – aber in welchem Beruf ist sie das nicht?

Was muss ich als Pfarrer/in können?

Den Pfarrer, die Pfarrerin gibt es je länger je weniger. Der Beruf hat sich ausdifferenziert. Das klassische Einzelpfarramt wird seltener, die Arbeit im Team wichtiger. Längst nicht mehr jede Pfarrperson wohnt in der Gemeinde, in der sie arbeitet, und immer mehr von ihnen arbeiten Teilzeit. Die Zahl von Spezialpfarrämtern (Spital, Schulen, Gefängnis u.a.) nimmt zu. Je breiter die Palette von Pfarramtsmodellen, desto grösser die Chance, dass Sie mit Ihren Kompetenzen und Neigungen eine passende Pfarrstelle finden.

Ein paar Fähigkeiten allerdings benötigt man in jedem Pfarramt.

Wichtig sind auf jeden Fall kommunikative Kompetenzen. Es geht darum, Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft ansprechen zu können. Dafür muss sich ein Pfarrer in andere Menschen einfühlen und die Perspektive eines Gegenübers einnehmen können.

Unverzichtbar ist zweitens die Reflexionsfähigkeit. Diese bezieht sich auf die eigene Rolle, die kirchlichen Aufgaben und Strukturen sowie die theologischen Aspekte der kirchlichen Arbeit. Gute Reflexion hilft bei der Predigt, bei wichtigen Entscheidungen und im persönlichen Umgang mit Einzelnen.

Schliesslich braucht die Kirche Pfarrerinnen und Pfarrer, die teamfähig sind und Freude daran haben, mit unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten.

Kann ich das?

Wenn Sie sich jetzt fragen: Kann ich das denn alles?, lassen Sie sich zunächst sagen: Die allermeisten Pfarrerinnen und Pfarrer stellen sich diese Frage bisweilen. Zweifel sind beileibe kein Zeichen von Schwäche, vielmehr Indiz für die Bereitschaft, sich weiter zu entwickeln und auf Neues einzulassen.
Dennoch: Ein paar Abklärungen, wie gut der Pfarrberuf zu Ihnen passt, können Sie treffen.

  1. Fragen Sie vertraute Personen um Rat; am besten auch eine Pfarrerin oder einen Pfarrer.
  2. Machen Sie eine Schnupperwoche in einem Pfarramt.

Im Laufe des Studiums werden Sie bei verschiedenen Gelegenheiten intensiver prüfen, ob der Pfarrberuf Ihnen entspricht.

  1. Sie absolvieren im Lauf des Studiums ein Praktisches Semester (so nennen es die Berner Kirchen; im Konkordat heisst es EPS – ein Kürzel für Ekklesiologisch-Praktisches Semester).
  2. Das Konkordat kennt zudem die KEA; im Rahmen der KEA führen Sie im Lauf des Studiums vier Explorationsgespräche, um zu erkennen, an welchen Fähigkeiten Sie gezielt arbeiten sollten.

Und vergessen wir nicht: Auf das Studium als akademische Ausbildung folgt das Vikariat als praktische Ausbildung. Auch Pfarrer fallen nicht vom Himmel, sondern lassen sich ausbilden.

Bin ich rund um die Uhr Pfarrer/in?

Habe ich als Pfarrer eine Privatsphäre? Ist für mich als Pfarrerin auch einmal Feierabend? Wie sieht es also im Pfarramt mit der viel diskutierten Work-Life-Balance aus?

Die Antwort ist einfach: Sie haben ein Privatleben. Etwas schwieriger ist es in manchen Pfarrämtern, dies in die Praxis umzusetzen. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Pfarrer, als Pfarrerin lernen, sich abzugrenzen und sich Ihre Freiheiten zu nehmen. Die Entwicklung geht klar in die Richtung, diese Abgrenzung auch reglementarisch zu stützen. So kennen Appenzeller Pfarrer offiziell die 40-Stunden-Woche. Die Aufhebung der Wohnsitzpflicht, die in vielen Kantonalkirchen voranschreitet, verstärkt diese Entwicklung, ebenso die Zunahme der Teilzeitstellen.

Stellenaussichten

Den reformierten Kirchen der Deutschschweiz fehlen heute Pfarrerinnen und Pfarrer. Der Mangel wird sich zwischen 2020 und 2030 akzentuieren, weil in diesen Jahren besonders grosse Pfarrjahrgänge ins Pensionsalter kommen. Auf absehbare Zeit fehlen in den reformierten Kirchen der Deutschschweiz pro Jahr zwischen 20 und 40 Nachwuchsleute. Wer heute ein Theologiestudium beginnt, hat also ausgezeichnete Berufsaussichten.

Lohn und Karriere

Es ist schwierig, eine allgemeine Aussage zu den Pfarrerlöhnen zu machen, weil sich die Lohngefüge von Kanton zu Kanton unterscheiden. Eine Übersicht über die Situation in den einzelnen Kantonen bietet www.mediallegra.ch/arbeits.htm. Generell kann man sagen, dass man als Pfarrer nicht reich wird, aber gut verdient. In vielen Kantonen ist der Lohn vergleichbar mit dem eines Mittelschullehrers. Insbesondere die Einsteigerlöhne sind häufig attraktiv.

Eine eigentliche Karriereleiter gibt es im Pfarramt nicht. Es gibt jedoch viel Abwechslung, die man selber ganz gut steuern kann. Wechselt man beispielsweise von einem Einzelpfarramt im Berner Oberland in eine grosse städtische Kirchgemeinde wie Basel West, dann begegnet man ganz neuen Aufgaben und Möglichkeiten. Das Gleiche gilt natürlich auch in die umgekehrte Richtung. Und ähnliches lässt sich sagen beim Wechsel von einem Gemeindepfarramt in ein Spezialpfarramt (oder, wiederum, in die entgegensetzte Richtung).

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