Theologie im Film

Theologie und Bibel begegnen uns auf Schritt und Tritt. Man braucht dazu in keine Kirche zu gehen und in kein Theologisches Seminar. Es reicht, sich in der Werbung  umzusehen – oder im Film. Auf dieser Seite haben wir ein paar Szenen aus verschiedenen Filmen zusammengestellt, die es theologisch in sich haben. Zwar ist ein Theologiestudium nicht jederzeit so spektakulär wie diese Filmszenen. Sie machen aber deutlich, wie gross der Einfluss von biblisch-theologischen Bildern und Aussagen auf unser Weltbild auch heute noch ist.

Alien 3: Der Erlösungstod von Ellen Ripley

Ellen Ripley, die Heldin der Alien-Filme, stürzt sich am Ende von Folge 3 ins einen riesigen Brennofen. Sie hat zwar alle Aliens getötet, in ihrem Körper jedoch hat sich das Embryo einer Alien-Königin festgesetzt. Diese Königin droht nun durch Ripleys Brust zu brechen; mit ihrem Selbstopfer kommt Ripley der Geburt der Alien-Königin (und damit einer erneuten Alien-Herrschaft) zuvor. In Kreuzform stürzt sie in die heisse Brühe und rettet so die Menschheit – die Analogien zum Kreuztod Jesu sind mit Händen zu greifen.

Auf der anderen Seite: Menschenopfer

Fatih Akins Film auf dem Jahr 2007 erzählt das miteinander verflochtene Schicksal von sechs Menschen aus drei Familien und zwei Generationen sowohl deutscher als auch türkischer Herkunft. In der ausgewählten Szene erzählt Nejad (ein Muslim) Susanne (einer Christin) die Geschichte von Ismael und Ibrahim, wie sie im Koran steht. In der Bibel stehe eine sehr ähnliche Geschichte, erwidert Sussane, die Protagonisten heissen dort Abraham und Isaak. Die Szene aus Akins Film geht auf eine sehr sanfte Art mit der Frage um, wie wir mit den grausamen Seiten von Religion umgehen wollen.

Pulp Fiction

Pulp Fiction lebt vom absurden Ineinander von beiläufiger Morderei und wunderbaren Dialogen. Kein Wunder, haben in diesen Dialogen auch Bibel und Theologie ihren Auftritt. Zwei Beispiele:

Pulp Fiction: Das Wunder-Seminar („Divine Intervention“):

Achtung, der Anfang ist blutig! Der Rest jedoch ist ein hübsches theologisches Seminar zu Frage, ob Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) nun gerade Zeugen (und Gegenstand) eines Wunders, bzw. eines göttlichen Eingereifens geworden sind.

Pulp Fiction: Bibelfest sollte man sein

Jules Winnfield verbreitet Furcht und Schrecken. Dabei benutzt er auch einen Bibelvers, den er im Ton der ultimativen Gerichtsansage rezitiert. Winnfield sagt, er zitiere Ezechiel 25, 17: „The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of the selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he, who in the name of charity and good will, shepherds the weak through the valley of darkness, for he is truly his brother’s keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who would attempt to poison and destroy my brothers. And you will know my name is the Lord when I lay my vengeance upon thee.“ Die tiefere Ironie des Zitats ist, dass es bei Ezechiel gar nicht vorkommt. Nur die beiden letzten Sätze stehen in Vers 17, der ganze Rest ist eine bunte Mischung von anderen Bibelzitaten, z.B. aus Ps 23. – Winnfield bringt sein angebliches Bibelzitat nochmals, dieses Mal in einem Anflug von Gnade (ab 2:30): Ausschnitt auf youtube

Sopranos: Warum sind Schlangen falsch?

Die Serie „The Sopranos“ aus den 2000er Jahren spielt in der Mafiawelt von New Jersey. Die italienisch-katholische Herkunft ist in Moral, Ernährung und Verwandtschaftspflege der Protagonisten überaus präsent. Eine Szene bietet einen kurzen symbolgeschichtlichen Höhenflug unter Mafiosi. Paulie Gualtieri, ein paranoider und jähzorniger Mafioso, und Tony Soprano, der Mafiaboss, schauen am Fernsehen einen Filmbeitrag über Schlangen. Dort heisst es, dass sich Schlangen selber begatten können, was Paulie ins Sinnieren bringt. Er sieht den Ursprung der Idee, dass Schlangen als hinterhältige Tiere gelten, darin, „that they can literally go fuck themselves“ (und denkt dabei zugleich an Homosexualität: In seinen Augen verhalten sich Homosexuelle wie Schlangen). Tony weist Paulie darauf hin, dass die falsche Schlange ihr Image wohl eher ganz simpel von der Paradiesgeschichte her habe. Paulie lässt sich in seiner waghalsigen Herleitung nicht beirren und argumentiert strikt historisch: “Schlangen haben es mit sich selbst getrieben, lange bevor Adam und Eva aufgetaucht sind.” So unbeirrbar kann Logik sein!

Star Wars Episode IV: Kleinglaube

Der Dialog lässt sich hier nachlesen: http://en.wikiquote.org/wiki/Star_Wars_Episode_IV:_A_New_Hope
Zur Szene: Darth Vader warnt Motti davor, zu sehr auf technologische Überlegenheit zu vertrauen. Daraufhin hält Motti Darth Vader vor, dass seine Verehrung für die alte Religion auch nichts gebracht habe. Darth Vader reagiert mit seiner mittlerweile geflügelten Aussage: „I find your lack of faith disturbing.“ („Ich finde Ihren Mangel an Glauben beunruhigend.“) – Der Bezug zum ungläubigen Thomas im Johannes-Evangelium (20,19-29) ist deutlich; der Satz lässt sich aber auch in Cocktail-Gesprächen gut einsetzen.

O Brother, Where Art Thou?: Die Sintflut

In den groben Zügen adaptieren die Coen-Brüder in ihrem Südstaaten-Epos die Odyssee Homers. Allerdings durchbrechen sie diese Narration immer wieder mit fremden Elementen. Ein solches Element ist die grosse Flut, die die drei Protagonisten vor dem Tod durch den Strang rettet. Wie die biblische Sintflut, so bewirkt auch diese Südstaaten-Flut eine Reinigung und Veränderung der Menschen. Mit wunderlichem Southern-Accent sinniert Clooney: „They’re hydroelectric’n up the whole durn state!“ („Sie werden den ganzen verdammten Staat wasserelekrisieren“). Eine wunderbare Szene!

Haben Sie eigene theologische Lieblingsszenen in Filmen? Wir freuen uns über Tipps und ergänzen diese Auswahl gerne.