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Judith C. Wipfler, Theologin und Radiojournalistin, geboren 1974. Studierte in Heidelberg und Basel mit Schwerpunkt Christlich-Jüdische Studien. Seit 2000 auf Schweizer Radio DRS zu hören.
 
In der Theologie geht es immer um "alles": um was da war, was da ist und was da kommt. Es geht um einen selber und um den "empörenden Zustand der Welt".
Theologie studieren, das wollte ich bereits mit 15, als ich im Griechischunterricht zum ersten Mal Neues Testament im sogenannten Urtext las. Aha, dachte ich, Christsein muss also nicht heissen, einfach alles zu glauben. Das eigene Übersetzen verwickelte mich immer stärker ins eigene Nachdenken, was gar nicht so ungefährlich wurde und ist. Kritische Auseinandersetzung ist hier gefragt: historisch, sprachlich, philosophisch, politisch und emotional.
In meinem beruflichen und privaten Umfeld erlebe ich viel Kritik an "dem" Christentum, "der" Theologie oder Religion. Vieles stimmt. Alle Religion ist so fehlerhaft wie die Menschen selbst. Demgegenüber versucht die Theologie, Rechenschaft abzulegen über das, was war, was ist und was da kommen könnte. Tut sie dies selbstkritisch und demütig, manchmal vielleicht sogar schweigend, dann ist sie für mich eine Arbeit, auf die unsere Gesellschaft nicht verzichten darf. Denn es geht immer um alles.
"Dass die Sprache sprechbar ist, verdankt sie dem Namen Gottes, der in ihr gegenwärtig ist." (Gershom Scholem)
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