Salome Probst

Salome Probst

Ich kann Ja sagen

Nachdem ich in meiner Jugend zwiespältige Erfahrungen in einer Freikirche gemacht hatte – einerseits erlebte ich viel Freiraum, was das Einbringen meiner Talente anging, andererseits Denkverbote –, suchte ich einen Ort, an dem ich ungehindert den Fragen nachgehen konnte, die mich beschäftigten. Das Theologiestudium erschien mir dazu besonders geeignet. Dennoch blieb nicht nur in meinem Umfeld, sondern auch bei mir ein leichtes Erstaunen darüber, dass ich diesen Weg wählte.

Pfarrerin werden wollte ich vorerst nicht. Mir war wichtig, frei von Zielen und Erwartungen studieren zu können und nicht als „Kandidatin“ von der Kirche vereinnahmt zu werden. Das lag nicht zuletzt am eher zwiespältigen Bild, das ich vom Pfarrberuf hatte. An wem sollte ich mich orientieren? Immer wieder begegnete ich aber Pfarrerinnen und Pfarrern, die mich in meinem Denken und Fühlen und mit meinen Fragen ernst nahmen – wohl auch, weil sie sich selbst darin wiedererkannten. Ich meldete mich dann doch für die kirchliche Eignungsabklärung an.

Und als mich am Ende meines Bachelors ein befreundetes Paar fragte, ob ich ihren Sohn taufen würde, spürte ich: Ich kann ja sagen.

Es sind zwar Fragen und Anfragen geblieben – bis über das Vikariat hinaus, sogar bis heute – aber das gehört für mich mit zu meinem Beruf: es hält mich wach und lebendig und lässt mein ‚Ja’ umso bewusster sein.

Während des Studiums sind viele Diskussionen an mir vorbeigegangen, weil ich Teilzeit arbeitete und die Vorlesungen nicht selten als erste verliess. Gleichzeitig hat das Leben immer wieder existentielle Fragen an mich gestellt und mich zu einer Auseinandersetzung der anderen Art getrieben. Ich komme auch heute nicht drum herum, mich ihnen zu stellen, wenn sie mich oder mein Gegenüber betreffen. Und ich will auch gar nicht drum herum kommen.

Pfarrerin sein heisst für mich ganz stark: Miteinander auf die Suche gehen nach dem Heiligen. Denn das Heilige ist da im Leben der Menschen. Dieses möchte ich mit ihnen aufspüren, entdecken und immer wieder grosszügig feiern.